Baukasten, Freelancer oder Agentur: Welcher Weg passt zu Ihrem Maklerbüro?

25. Mai 2026 · 8 Min. Lesezeit · Patrick Commerçon

Drei Wege zur eigenen Makler-Website, jeder mit eigenen Stärken und eigenen Grenzen. Das Problem ist nicht die Auswahl. Das Problem ist, dass jeder Anbieter den eigenen Weg empfiehlt. Ich habe alle drei aus der Praxis heraus bewertet und zeige, welche Fragen Sie sich stellen sollten, bevor Sie sich entscheiden.
Illustration dreier Briefumschläge nebeneinander, Artikelbild zu Baukasten, Freelancer oder Agentur für Makler-Websites

Wer eine Website für sein Maklerbüro plant, trifft schnell auf drei Angebotsschubladen. Die erste enthält Homepage-Baukästen, manche davon speziell für die Versicherungsbranche entwickelt. Die zweite enthält Freelancer und kleine Webdesign-Büros, die individuelle Seiten auf WordPress oder ähnlichen Systemen bauen. Die dritte enthält Agenturen mit Vollprogramm, von Branding über SEO bis zur laufenden Betreuung.

Das Interessante an dieser Auswahl: Fast jeder Ratgeber, den Sie dazu finden, stammt von jemandem, der eine dieser drei Optionen verkauft. Der Baukasten-Anbieter erklärt, warum Baukästen reichen. Die Agentur erklärt, warum nur eine Agentur die nötige Tiefe bietet. Der Freelancer erklärt, warum er das beste Preis-Leistungs-Verhältnis hat. Neutrale Einordnungen gibt es kaum.

Ich bin in einer ungewöhnlichen Position, um diese Frage zu beantworten. Ich bin selbst nach §34d GewO zugelassener Vermittler mit eigenem Versicherungsbüro und gleichzeitig Webdesigner mit 15 Jahren Berufserfahrung. Ich kenne die Branche von innen und das Webdesign von innen. Was ich hier aufschreibe, ist keine Verkaufsargumentation für eine der drei Optionen, sondern eine Einordnung, die auf fünf Anforderungen basiert, die jede Makler-Website erfüllen muss.

Fünf Dinge, die jede Makler-Website leisten muss

Bevor Sie sich für einen Weg entscheiden, sollten Sie wissen, woran Sie das Ergebnis messen. Nicht jede Website braucht alles, aber jede Makler-Website muss fünf Grundanforderungen erfüllen, die andere Branchen so nicht haben.

Die erste Anforderung sind korrekte Pflichtangaben. §15 VersVermV definiert den Inhalt der sogenannten Erstinformation, die Sie jedem Kunden beim ersten Geschäftskontakt bereitstellen müssen: Statusangabe, IHK-Registrierungsnummer, Berufshaftpflicht, Schlichtungsstellen, Beteiligungsverhältnisse. In der Praxis wird diese Erstinformation als PDF-Download auf der Website verlinkt. Daneben verlangt §5 DDG, dass Ihre Impressumsangaben „leicht erkennbar und unmittelbar erreichbar“ sind. Das sind keine optionalen Extras. Das sind gesetzliche Pflichten, und ihre korrekte Platzierung entscheidet darüber, ob Ihre Website rechtskonform ist.

Die zweite Anforderung ist eine Positionierung, die in drei Sekunden sichtbar wird. Wer als Gewerbespezialist arbeitet, muss das auf der Startseite zeigen, nicht auf einer Unterseite. Wer sich auf eine Region konzentriert, muss das im ersten Satz spürbar machen. Ohne klare Positionierung sieht jede Makler-Website aus wie die nächste. Diesen Punkt habe ich im Artikel Positionierung als Versicherungsmakler ausführlich beschrieben.

Die dritte Anforderung ist eine Bildwelt, die zur Person passt. Stockfotos mit lächelnden Geschäftsleuten erzeugen bei informierten Besuchern das Gegenteil von Vertrauen. Ein echtes Foto von Ihnen, in Ihrem Büro, in Ihrer Umgebung, ist immer besser als das professionellste Stockbild.

Die vierte Anforderung ist lokale Sichtbarkeit bei Google. Ein Maklerbüro lebt von regionalen Mandaten. Wenn jemand „Versicherungsmakler Homburg“ oder „Versicherungsmakler Saarbrücken“ googelt und Sie nicht auftauchen, existieren Sie für diesen Menschen nicht. Das betrifft sowohl die Website selbst als auch das Google Business Profil.

Die fünfte Anforderung ist Unabhängigkeit von einem einzelnen Anbieter. Ihre Website ist ein Geschäftswert. Die Inhalte, die Texte, die Bilder, die Domain gehören Ihnen. Wenn der Anbieter seinen Dienst einstellt oder Sie wechseln möchten, müssen Sie Ihre Inhalte mitnehmen können.

Was branchenspezifische Baukästen gut lösen

Es gibt Baukästen, die speziell für Versicherungsvermittler entwickelt wurden. Sie liefern fertige Fachtexte, Rechtstexte-Generatoren für Impressum, Datenschutzerklärung und Erstinformation, und teilweise sogar automatisierte Newsletter-Systeme. Manche werden von Versicherern als White-Label-Lösung angeboten, andere stehen als eigenständige Plattformen am Markt.

Der größte Vorteil dieser Systeme: Sie nehmen Ihnen die Pflichtangaben ab. Wenn ein geprüfter Rechtstexte-Generator Ihr Impressum und Ihre Erstinformation erzeugt und bei Gesetzesänderungen automatisch aktualisiert, ist das ein echtes Stück weniger Risiko auf Ihrem Tisch. Für viele Makler, die schnell online sein müssen und weder Zeit noch Budget für ein individuelles Projekt haben, ist das eine vernünftige Lösung.

Der Preis dafür liegt nicht im Geld, sondern in der Austauschbarkeit. Wenn fünfhundert Makler dasselbe System nutzen, sehen fünfhundert Websites strukturell gleich aus. Der Baukasten löst die Pflichtangaben, aber er löst nicht die Positionierung. Er gibt Ihnen ein sauberes Template, aber er gibt Ihnen kein Gesicht. Die Frage, die über Ihren digitalen Auftritt entscheidet, ist nicht „Ist die Seite korrekt?“, sondern „Erinnert sich jemand an sie?“.

Dazu kommt die Abhängigkeit. Bei einem Baukasten gehört die technische Infrastruktur dem Anbieter. Wenn er den Dienst einstellt, müssen Sie umziehen, und das ist bei geschlossenen Systemen aufwändig, weil es oft keine saubere Exportschnittstelle gibt. Das ist kein theoretisches Risiko. Es gibt dokumentierte Fälle, in denen Baukasten-Anbieter den Betrieb eingestellt haben und ihren Kunden nur wenige Monate zum Umzug blieben.

Was generische Baukästen nicht leisten

Neben den branchenspezifischen Systemen gibt es die großen allgemeinen Homepage-Baukästen, die für jede Branche Templates anbieten. Für einen Friseur oder ein Restaurant können sie funktionieren. Für einen Versicherungsmakler funktionieren sie in der Regel nicht, weil sie keines der branchenspezifischen Probleme lösen.

Kein generischer Baukasten weiß, was eine Erstinformation ist, wo sie platziert werden muss, oder welche Angaben §15 VersVermV verlangt. Kein generischer Baukasten erzeugt eine korrekte Statusangabe. Der Makler muss alles selbst wissen und selbst einbauen. Wer die regulatorischen Anforderungen kennt, kann das. Wer sie nicht kennt, baut eine Website, die optisch professionell aussieht, aber rechtlich Lücken hat, die er nicht sieht.

Was Freelancer und Agenturen besser können

Ein individuelles Projekt, ob mit einem Freelancer oder einer Agentur, löst das Positionierungsproblem. Die Website wird von Grund auf für Ihr Büro konzipiert, mit Ihren Texten, Ihren Bildern, Ihrer Seitenstruktur, Ihrem Ton. Kein zweites Büro hat dieselbe Website. Das ist der entscheidende Unterschied zum Baukasten.

Dazu kommt die technische Unabhängigkeit. Eine WordPress-Website gehört Ihnen. Die Domain gehört Ihnen. Die Inhalte liegen auf Ihrem Hosting. Wenn Sie den Anbieter wechseln, nehmen Sie alles mit. Kein Lock-in, keine Abhängigkeit, kein Risiko einer Abschaltung.

Eine gute Website kostet einmal. Eine schlechte kostet dauerhaft.

Die Schwachstelle liegt woanders: Die meisten Freelancer und Agenturen verstehen Webdesign, aber vielen fehlt das spezifische Branchenwissen. Was verlangt §15 VersVermV? Wo gehört die Erstinformation hin? Warum kann „unabhängiger Versicherungsmakler“ nach einem OLG-Urteil als Werbung problematisch sein, weil alle Makler nach §59 VVG per Definition im Kundeninteresse handeln und „unabhängig“ deshalb kein Unterscheidungsmerkmal ist? Das sind Fragen, die im Webdesign-Alltag schlicht nicht vorkommen. Wenn dieses Wissen fehlt, müssen Sie es als Auftraggeber selbst einbringen, oder es wird vergessen.

Das bedeutet nicht, dass Freelancer und Agenturen keine gute Arbeit liefern. Es bedeutet, dass die Qualität des Ergebnisses davon abhängt, wie viel Branchenwissen der Auftraggeber selbst in den Prozess einbringt. Bei einer 2.000-Euro-Website eines generalistischen Freelancers liegt die fachliche Verantwortung vollständig bei Ihnen. Bei einer 8.000-Euro-Website einer spezialisierten Agentur liegt sie teilweise beim Anbieter. Bei keinem der beiden liegt sie vollständig beim Webdesigner, es sei denn, der Webdesigner ist selbst in der Branche tätig.

Die Frage hinter der Frage

Baukasten, Freelancer oder Agentur ist am Ende die falsche Frage. Die richtige Frage lautet: Wer versteht gleichzeitig meine Branche und mein Medium?

Ein Baukasten versteht die Branche, aber er gibt Ihnen keine individuelle Lösung. Ein generalistischer Webdesigner gibt Ihnen eine individuelle Lösung, aber er versteht die Branche nicht. Eine spezialisierte Agentur kommt beides näher, aber Sie bezahlen für einen großen Apparat, der für ein inhabergeführtes Maklerbüro oft überdimensioniert ist.

Ich will an dieser Stelle ehrlich sein: Ich bin keine neutrale Instanz. Ich verkaufe individuelle Websites für Versicherungsmakler und verwandte Berufsgruppen. Aber das Alleinstellungsmerkmal, das ich mitbringe, ist kein Verkaufsargument, sondern eine Tatsache: Ich bin selbst nach §34d GewO zugelassener Vermittler mit eigenem Versicherungsbüro. Ich kenne die Pflichtangaben, weil ich sie selbst einhalten muss. Ich kenne die Sprache der Branche, weil ich sie selbst spreche. Und ich kenne die typischen Fehler auf Makler-Websites, weil ich sie bei meinen eigenen Vermittlerkollegen sehe.

Wie Sie die richtige Entscheidung treffen

Drei Fragen bringen Klarheit.

Erste Frage: Wie schnell müssen Sie online sein? Wenn die Antwort „übermorgen“ ist und das Budget eng, ist ein branchenspezifischer Baukasten eine pragmatische Lösung. Sie haben eine rechtskonforme Seite in Tagen, nicht in Wochen. Dass sie aussieht wie die von vielen anderen Maklern, nehmen Sie in Kauf, bis Sie bereit sind für etwas Eigenes.

Zweite Frage: Soll die Website Mandate bringen oder nur existieren? Wenn sie existieren soll, weil jemand, der Ihren Namen googelt, etwas finden muss, reicht ein Baukasten. Wenn sie aktiv neue Mandate generieren soll, brauchen Sie eine individuelle Seite mit Positionierung, eigener Bildwelt, durchdachter Seitenstruktur und lokalem SEO. Das ist ein Projekt, kein Template.

Dritte Frage: Wie wichtig ist Ihnen Unabhängigkeit? Wenn Sie bereit sind, langfristig an einen Baukasten-Anbieter gebunden zu sein und das Risiko tragen, dass er den Dienst irgendwann einstellt, ist das eine bewusste Entscheidung. Wenn Sie das nicht wollen, brauchen Sie eine Lösung, bei der Hosting, Domain und Inhalte unter Ihrer Kontrolle bleiben.

Die Antworten auf diese drei Fragen zeigen Ihnen den richtigen Weg klarer als jeder Pauschalrat.

Wenn Sie sich für den individuellen Weg entscheiden

Dann lohnt sich ein Erstgespräch, in dem ich Fragen stelle, die Sie bei einem Baukasten nie gehört hätten und bei einer branchenfremden Agentur nicht hören würden. Sparten, Zielgruppe, Wettbewerber, Positionierung, Pflichtangaben, Mandatsquelle. Was ein solches Projekt kostet und wie der Prozess aussieht, habe ich in einem eigenen Artikel aufgeschrieben. Kein Kleingedrucktes, keine Überraschungen, ein klarer Festpreis.

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